30 Jahre Schulorchester
 

    30 Jahre Botschafter und Brückenbauer

     

    Jubiläum des Orchesters der Paul-Winter-Realschule in großem Stil gefeiert – Musisches Leben der Ottheinrichstadt gestärkt

     

    Zu einer heiter lockeren Mischung aus Festakt und niveauvollem Konzert wurde am Samstagabend im vollbesetzten Stadttheater die Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen des Schulorchesters der Paul-Winter-Realschule Neuburg, das gleich nach der Umwandlung der vorher von den Barmherzigen Brüdern geführten Bildungsstätte in eine staatliche Einrichtung gegründet worden ist. Reinhardt Reißner, den vollen Zeitraum Orchesterchef, freute sich „an diesem besonderen Tag in meinem Leben“ unter den zahlreichen prominenten Ehrengästen aus Politik, Schulwelt, Wirtschaft und Kultur so viele Wegbegleiter und ehemalige Musikschüler, unter ihnen heutige Musik- und Kapellmeister, begrüßen zu können.

     

    In seiner fast halbstündigen humorvollen Festrede mit vielen herzlichen persönlichen Danksagungen arbeitete Reißner heraus, wie das gewissermaßen den Strömungen der Zeit widerstehende Schulorchester auf großen Konzertreisen in halb Europa zu einem hervorragenden Neuburg-Botschafter und Brückenbauer wurde. Und er blendete zurück, wie es ihm dank aufgeschlossener Schulleiter und vieler Unterstützung gelungen sei, in drei Jahrzehnten an der Schule eine musikalische Breitenarbeit aufzubauen, die sich bis heute auf das gesamte musische Leben in Neuburg und Umgebung positiv niederschlage.

     

    Es gebe kaum eine Band oder eine an der Musik orientierte Vereinigung oder Veranstaltung in unserer Gegend vom Vereinsfest bis hin zum Schlossfest, wo nicht mindestens einige ehemalige Mitglieder von Realschul-Instrumentalgruppen beteiligt sind.

    Neben manch anderen auf Schulebene immer wieder mal agierenden Musikformationen hat sich neben dem großen Schulorchester auch der Flötenchor – bis Ende vergangenen Schuljahrs ebenfalls von Reißner geleitet – bis heute durchgehend gehalten. In beiden Einrichtungen spielten bislang über 500 Schüler, die sich, so Reißner, „von dem Virus anstecken ließen, der von den Melodien und Harmonien, von Takt und Rhythmus ausgeht“. Seit 1984 zur Namensgebung in Paul-Winter-Schule im Musikunterricht das klassenweise Flötenspiel eingeführt worden ist, haben überdies insgesamt rund 2000 Schüler das Flötenspiel als Grundstein für instrumentales Musizieren erlernt.

     

    Ausschreibung kann erfolgen

    All die weiteren Reden und Aktionen, so der wirkungsvolle Einzug von Musikern mit den Fahnen der bereisten Länder, waren geschickt eingebaut in die musikalischen Darbietungen. In Vertretung des erkrankten Landrats Dr. Richard Keßler zollte Stellvertreterin Rosina Straub Reißner hohe Anerkennung für sein Engagement und die besondere Pflege des musikalischen Erbes von Neuburgs Ehrenbürger Paul Winter. Zur aktuellen Situation der Schule teilte sie mit, dass für den dringenden Erweiterungs- und Neubau jetzt die Ausschreibung erfolgen könne, wenn der Kreistag bei der bevorstehenden Etatberatung das Placet gebe. MdL Rudolf Peterke, der Glückwünsche von Kultusministerin Monika Hohlmeier überbrachte, zeigte sich fasziniert davon, wie Reißner junge Menschen zu begeistern wisse: „Er lehrt nicht nur Musik, er ist Musik“. Für den Verein „Freunde der Paul-Winter-Schule“ überraschte deren Vorsitzender Michael Engelmann, neben einem speziellen Geschenk für den Orchesterchef als Gabe an die gesamte Festversammlung mit einem kostenlosen Sektempfang in der Pause.

    Im zweiten Teil ließ vor dem musikalischen Ausklang Bob Maaskant in einem 20-Minuten- Film einige der Reisen des Schulorchesters aufleben, so etwa in Aufnahmen vom Carneval in Venedig, von der musikalischen Umrahmung einer Generalaudienz des Heiligen Vaters am Petersplatz in Rom, der mit dem Gehstock die Neuburger Musikanten kurz dirigierte, oder von der Mönchsrepublik auf dem Berg Athos. Reißner selbst ergänzte das noch mit einer Fotoserie aus dem Schul- und Orchesterleben, so auch unvergesslichen Aufnahmen von Namensgeber Paul Winter.

    Nach dem dreistündigen Geschehen im Stadttheater lenkten Fackelträger den Weg in den historischen Boxenstall des Marstalls, wo Eltern und Lehrer eine zünftige Geburtstagsparty in Szene setzten. Die aus ehemaligen Realschülern bestehende „Sinninger Kabelmusi“ und DJ „Hasi“ sorgten bis weit nach Mitternacht für tolle Stimmung. Die wurde noch zusätzlich angeheizt, als eine aus einstigen Reißner-Schülern zusammen gewürfelte Blaskapelle von heutigen Akteuren in einem halben Dutzend verschiedener Landkreis-Kapellen Einzug hielt und ein bayerisches Stimmungskonzert entfachte.

     

    Mit Führung begonnen

    Begonnen hatte das Jubiläumstags-Programm schon am Nachmittag mit einer Führung in der historischen Altstadt durch die Sprecherin der Stadtführer, Henriette Mischka, einst erste Klarinettenschülerin von Reinhardt Reißner. Im Rahmen des anschließenden Empfangs in der Realschule war für manchen angereisten Ehemaligen nicht zuletzt der Rundgang durch das Schulhaus interessant. Schulleiter Heinz Hinzen gab einen Abriss zur bemerkenswerten Schulgeschichte. Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling, zum Festkonzert im Theater verhindert, wusste schon vorab die Arbeit von Reinhardt Reißner gebührend zu würdigen und warb für das große Jubiläumsjahr. Die „Neuburger Spielleut“ sorgten hier für den richtigen Ton.

     

    Text: Neuburger Rundschau vom 14.02.2005

     

    v.l.: Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling, Orchesterchef Reinhardt Reißner, Rektor Heinz Hinzen

    Gäste beim Empfang in der Schule (1)

    Ansprache von Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling

    Gäste beim Empfang in der Schule (2)

    kurz vor dem großen Jubiläumskonzert

    Vorsitzender Freunde-der-Paul-Winter-Schule Michael Engelmann

    Jubiläumskonzert (2)

    Besucher im Boxenstall (1)

    boxenstall5.JPG

     

     

     

     

     

    Foto's: Michael Heimüller

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