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Schüler bauten
Brücken mit Musik
 
Paul-Winter-Realschule
auf Konzertreise in Polen
 
28 Schüler der
Paul-Winter-Realschule unternahmen jetzt mit fünf Begleitpersonen eine für ein
deutsches Schulorchester bisher einmalige Reise. Sie führte in ein Stück deutsch-polnischer
Geschichte, das den Schülern die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und seine
katastrophalen Folgen für Polen und Deutsche deutlich machte. Die Zeichen der
Versöhnung zwischen beiden Völkern waren überall sichtbar, und die Konzerte der
Neuburger Musiker trugen bei den polnischen und deutschstämmigen Zuhörern
sicher auch dazu bei.
 
" Musik baut
Brücken"
, hörte man immer wieder bei den Konzerten. Das erste fand in
einer Schule in Stettin vor Jugendlichen statt, am Abend gab das Orchester ein
Konzert in Danzig, an dem unter anderem Rolf Wagner, Konsul am deutschen
Generalkonsulat Danzig, teilnahm. Bei der Stadtbesichtigung beeindruckte die
Musikgruppe besonders das Tor der Danziger Werft, wo durch den Streik von
polnischen Arbeitern unter Lech Walesa die politische Wende eingeleitet worden
war.
Ein besonderer Höhepunkt
war an Christi Himmelfahrt ein Auftritt in der Marienburg, der größten
mittelalterlichen Burganlage des Deutschen Ordens. Dorthin werden nur ganz
selten Musikgruppen eingeladen. Am Freitag wurde das Orchester von der
Bürgermeisterin von Bischofsburg empfangen und gib auf dem Stadtplatz ein
Standkonzert. Die Neuburger Schülergruppe besuchte dann den Bauernhof von Paul
Gollan, einem " echten" Ostpreußen, den Orchesterchef Reinhardt
Reißner schon von früheren Besuchen her kannte.
Auf dem idyllisch
gelegenen Hof am Dadai-See in Masuren übernachteten die Schüler zweimal in
ihren Zelten und genossen die selbst gemachten Speisen und den frisch
gefangenen Zander. Dabei erfuhren sie aus erster Hand vom tragischen Schicksal
der Ostpreußen im Winter 1944/45. Paul Gollan hatte diese Zeit als 13-Jähriger
erlebt.
Am Samstagmittag gab das
Orchester auf einem Schiff ein Konzert auf dem Drewenz-See, am Nachmittag
staunten die Musiker nicht schlecht, als sie auf Einladung der deutschen
Minderheit auf einem Bürgerfest in Osterode spielen sollten. Eine riesige Bühne
mit Videoleinwand war auf einem Fußballplatz aufgebaut und eine polnische
Rockband spielte, als die Schüler ihre Instrumente auspackten.
Doch auch in dieser
ungewohnten Umgebung zeigte das Schulorchester, dass es alles andere als
amateurhaft war, und das Publikum wollte die Musikanten gar nicht mehr von der
Bühne lassen. Wie kontrastreich das Programm war, zeigte sich tags darauf, als
das Orchester den Gottesdienst in der berühmten und bei den Polen geliebten
Marienkirche " Heilige Linde" musikalisch gestaltete.
Auf der Fahrt zu dieser
Wallfahrtskirche hatte die Gruppe Geschichte hautnah erlebt, als sie die Ruinen
der Wolfsschanze besichtigte dort hatte u.a. 1944 das Attentat Graf
Stauffenbergs auf Hitler stattgefunden. Auch in Warschau begegneten am nächsten
Tag die Schüler der deutsch-polnischen Geschichte, als sie vor dem Denkmal des
Aufstands im Warschauer Getto standen. Für Willy Brandt, dessen Kniefall 1970
die Beziehungen der beiden Völker positiv veränderte, haben die Polen daneben
ein weiteres Denkmal errichtet.
Am Montag ging es nach
Breslau, wo das Orchester ein letztes Mal ein Konzert gab. Bei der
Stadtbesichtigung konnten die Musiker wieder feststellen, wie liebevoll und
gekonnt die Polen trotz ihrer finanziellen Probleme während der Zeit des
Kommunismus die ehemals deutschen Städte Stettin, Danzig und Breslau wieder
aufgebaut haben. Diese waren durch
Brandlegungen der einrückenden russischen Armee zu etwa 90 Prozent zerstört
worden. Die Innenstädte, die heute wieder Schmuckstücke sind, rekonstruierten
die Polen nach alten Bauplänen und Fotos. Auch ihre Hauptstadt Warschau ist
wieder eine dynamische und sehenswerte Weltstadt geworden.
 
Der Busfahrer als
Trompeter
Die Musiker der
Paul-Winter-Schule machten mit ihren Auftritten Werbung für ihre Heimatstadt,
überall wurden sie gebeten doch wieder zu kommen. Einzigartig ist auch, dass
das Institut für Auslandsbeziehungen die musikalische Arbeit von Reinhardt
Reißner so sehr schätzt, dass es die Schulorchesterreisen der
Paul-Winter-Schule finanziell fördert. Und einmalig war wohl auch, dass der
Busfahrer, ein ehemaliger Schüler, als erster Trompeter im Orchester
mitspielte.
 
Text: Karl Schweiger
 
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